Amazon FireTV Stick im Test

Der Versandriese verfolgt weiter seine Pläne zum Big-Player im Media-On-Demand-Markt zu werden. Für nur 39€, bzw 19€ als Prime-Vorbesteller (wie in unserem Fall) versucht Amazon nun sein recht erfolgreiches FireTV-Box Konzept auch im absoluten Niedrigpreis-Segment zu etablieren.

Was kann der kleine Stick bieten für den Preis? Nur reines Streaming innerhalb der Amazon-Welt oder geht da auch mehr? Cortex A9 DualCore mit 1200MHZ, 1GB RAM und 8 GB Flash-Speicher lassen zumindest ein bisschen Spielraum. Wir haben direkt zum Start Hand an ein Retail-Modell gelegt und berichten an dieser Stelle von unseren ersten Erfahrungen.

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Los geht es mit der Verpackung und dem Inhalt. Amazon-typisch sehr kompakt mit Stick, HDMI-Adapter, Kabel, Netzteil, Fernbedienung, Batterien und Kurzanleitung. Alles was Hardware-technisch notwendig ist in guter Qualität. Die Fernbedienung bietet im Vergleich mit der FTV-Box keine Sprachunterstützung. Diese gibt es separat für vergleichsweise unverschämte 29€.
Dafür gibt es beim Stick eine Android / iPhone App inkl. virtueller Maus, die diese Funktion ergänzen.

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Die Installation ist denkbar einfach und sollte selbst dem absoluten Technik-Laien in unter 2 Minuten gelingen – Kabel verbinden, in den HDMI-Anschluss des Monitors / Fernsehers, Strom drauf und auf gehts – da der Stick im Normalfall personalisiert vorkonfiguriert ist, braucht man nichtmal sein Passwort extra eingeben.

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Das vom FireTV bekannte Einleitungsvideo kann man getrost überspringen und schon nach kurzer Zeit landet man im Hauptmenü – welches einem sehr vertraut vorkommen dürfte, wenn man bereits die Box sein Eigen nennt oder kennt.

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Sehr schnell bemerkt man, dass einige Spiele vom FireTV nicht für den Stick verfügbar sind – alles was grafisch etwas anspruchsvoller ist, wird häufig nicht unterstützt.
Besser sieht es da im Media-Bereich aus. Alle Streams, Filme, YouTube und Twitch laufen sauber und ruckelfrei. Zumindest solange man nicht mehrere Apps gleichzeitig offen hat und penibel darauf achtet diese auch am Ende wieder zu schließen.
Kodi / SPMC schnurrt dann bei der Wiedergabe von Filmen und Serien genauso wie vom FTV gewohnt – nett!

Während man bei der FireTV Box ohne Probleme zwischen Media-Center und Hauptoberfläche wechseln kann, macht der Stick hier ganz schnell dicke Backen und die Navigation wird sehr träge. 1 GB RAM ist sehr knapp bemessen und eine „Must-Have-App“ daher ein guter Taskmanager – die Boardmittel der Software sind dazu nur bedingt zu gebrauchen.

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Apropos Boardmittel – während der Box per Update umfangreicher Bluetooth-Support spendiert wurde, beschränkt man den Stick aktuell noch auf hauseigene Geräte wie die Fernbedienung und den Game-Controller.

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In unserem Test mit einer speziellen Einstellungsapp (Settings-APK auf eigene Gefahr hier zum Download) wurde die BT-Maus zwar erkannt und wir sahen auch einen Mauszeiger – leider ruckelte dieser so stark, dass eine sinnvolle Nutzung nicht möglich war. Am FTV funktioniert selbige Maus per Boardmitteln mit der neuen Firmware einwandfrei.

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Hier wären wir dann bereits bei den Sachen, die Amazon-Hardware für Bastler so interessant machen: die Entwickleroptionen für ADB und App-Sideloading kann man jederzeit freischalten. So installiert man mit ein wenig Vorwissen innerhalb weniger Minuten ein Kodi / SPMC Media Center oder seine geliebte Retro-Sammlung. NES, SNES, GameBoy (Color) sowie fast alles von Sega kann man problemlos mit dem Stick emulieren. Leider schafft die Hardware keine N64 oder PlayStation-Spiele ruckelfrei – dafür braucht es dann doch die stärkere Hardware des FTV…

kodi libretro

Mit ScummVM hat der Stick beim Laden gut zu tun, aber ohne Nebenanwendungen und ein bisschen Geduld läuft es auch dort rund – allerdings kommt ohne Gamepad kein Spass auf, da die Fernbedienung auf Dauer bei Adventures zu träge und anstrengend ist. Mit Pad zusammen macht der FireTV-Stick dann jedoch gehörig Retro-Spass.

scummvm

Fazit

Amazon hat es wieder geschafft ein kleines Gimmick zu schaffen, welches gleichermaßen (Main)Stream-Nutzer und experimentierfreudige Bastler anspricht.
Die schwächere Hardware im Vergleich zur FireTV lässt sich bei dem Preis leicht verschmerzen. Für viele ältere Emulationen oder Android-Spiele reicht es und die Portabilität ist sowieso über alle Zweifel erhaben.

Wer nur Monitore bestreamen will – egal ob mit On-Demand-Content oder aus der eigenen Sammlung – kann mit dem Stick nichts verkehrt machen. Zusammen mit Prime und Netflix entfaltet sich das volle Potential. Nebenbei kann man noch das ein oder andere Spielchen wagen oder alte Kindheitsklassiker für 39€ wiederbeleben, die einem pre-2000 das Taschengeld mehrerer Monate entzogen haben – was will man mehr?

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